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Neubaugebiete als Verkehrsfallen

Bei der Umwidmung größerer Flächen in Bauland prallen meist zwei Interessen aufeinander. Es sollen so viele Bauparzellen wie möglich entstehen, die Gemeinde muss aber auch Auswirkungen auf das Ortsbild, Gefahrenbereiche und nicht zuletzt auf den zu erwartenden, zusätzlichen Verkehr bedenken.

Verkehrsfallen in Neubaugebieten

Die Auswirkungen von Neuerschließungen auf den Verkehr werden in Ebensee meistens stiefmütterlich behandelt und so gut wie nie zu Ende gedacht. Gefahrensituationen bei Kreuzungen werden höchstens andiskutiert, Sicherheit und Attraktivität für Fußgänger und Radfahrer sind Randthemen.

Beispiele gibt es dafür mehr als genügend. So wurde aus der Prato-Allee eine Durchzugsstraße ohne Gehsteig mit völlig unübersichtlichen Kreuzungsbereichen. In der Kohlstatt wurden Wohnhäuser errichtet, aber wer in der Langbathstraße zu Fuß geht, braucht reichlich Mut. In Rindbach, wo „auf der grünen Wiese“ gebaut wird, herrscht rege Bautätigkeit. Die Mendelsohnstraße wird dadurch zum Nadelöhr, die Rindbachstraße zum Zubringer mit fußgängerfeindlichen Fahrgeschwindigkeiten. Am ehemaligen Salinenareal wurde ohne Gesamtkonzept gebaut und gleich fünf Zufahrtsstraßen angelegt. Eine Vorgehensweise, die so gut wie jeder Beschreibung spottet.

Maßnahmen für die Verkehrssicherheit benötigen Platz und schmälern den Ertrag beim Verkauf von Grundstücken. Seitens der Gemeinde müssen wir aber das Gemeinwohl im Blick haben, auch wenn das den wirtschaftlichen Interessen bei Umwidmungen widerspricht. Denn letztendlich profitieren auch die künftigen BewohnerInnen der Neubauten von sinnvollen Verkehrslösungen.

Es kann nicht sein, dass die Gemeinde als Baubehörde immer wieder Kompromisse zulässt, ­deren negative Auswirkungen vorhersehbar sind. Und es ist fahrlässig, wenn ohnehin rudimentäre Verkehrspläne so gut wie immer nur die Bedürf­nisse des motorisierten Verkehrs im Blick haben. Rad- und Fußwege oder Gehsteige finden kaum jemals Zuspruch oder werden gar gefordert. Schul­wege bleiben unsicher, Eltern bringen ihre Kinder lieber mit dem Auto von A nach B, es entsteht mehr Verkehr. Ein Teufelskreis.

Deshalb sind wir als BÜFE in vielen Fällen nicht bereit, einer „Umwidmung um jeden Preis“ zuzustimmen. Nicht, weil wir lästig sein wollen, sondern weil wir das größere Ganze sehen und uns einen ­attraktiven, lebenswerten und sicheren Ort wünschen, in dem sich alle wohlfühlen und sicher auf den Verkehrswegen unterwegs sein können.

 

Christa Tatar

Dipl. Ing.in Christa Tatár

Christa ist unsere Fachfrau für Bau, Verkehr, Raum- und Ortsplanung. Sie ist Ersatzgemeinderätin und Mitglied im Ausschuss für Bau, Verkehr, Straßen und örtliche Raumplanung. Zusätzlich engagiert sie sich ganz besonders in Umwelt- und Sozialangelegenheiten.

 


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