Das Bild ist ein Beispiel für einen eindeutigen Jubel-Post. Er zeigt die hohe Kunst der politischen Kommunikation. Es wird nicht direkt gelogen, aber durch Auslassungen die Wahrheit zum eigenen Vorteil zurechtgebogen.
Smartphones und Social Media bestimmen immer stärker unser Leben. Neben vielen Annehmlichkeiten und Vorteilen (rascher Zugang zu Information und Austausch mit anderen), hat das auch viele Schattenseiten. Der zwischenmenschliche Umgang wird unpersönlicher, der Umgangston untereinander (statt miteinander) verroht und oft junge Menschen (aber keineswegs nur diese) geraten durch verzerrte und überzogene Darstellungen auf Social Media in eine Drucksituation, der sie oft nicht standhalten.
Auch und gerade die Politik nutzt diese Medien, um Stimmungen zu beeinflussen und "ihre Messages" unters Volk zu bringen. Botschaften werden verkürzt – schließlich muss eine Botschaft in drei Zeilen Platz finden – und verzerrt dargestellt. Manchmal auch mit scheinbar eindrucksvollen KI-animierten Bildern, die täuschend echt aussehen, unterstützt, um so mehr Likes und Follower zu generieren.
Mit ehrlicher Kommunikation und Transparenz hat dies meist wenig zu tun. Auf internationaler und nationaler Bühne hat narzisstischer Populismus diese Instrumente perfektioniert. Aber auch "unsere" Politik – auch auf Gemeindeebene – erliegt zunehmend der Versuchung, auf diese Art und Weise Politik zu machen: Zahlen werden nicht erklärt, Fragen nicht beantwortet. Einzig die Inszenierung zählt. Komplexe Themen verschwinden hinter kurzen, positiven Postings und beeindruckenden Bildern.
Ein Beispiel in der Ebenseer Lokalpolitik ist etwa der Rechnungsabschluss 2025. Kommuniziert wurde ein Erfolg: Die Gemeinde habe den genehmigten Finanzbedarf um 1,2 Millionen Euro unterschritten.
Was nicht kommuniziert wurde: dass unterm Strich trotzdem ein Minus von 1,1 Millionen Euro steht, das Gemeindevermögen um 1,47 Millionen gesunken ist, 59 Prozent der geplanten Investitionen nicht umgesetzt wurden, die Neuverschuldung fast 1,5 Millionen Euro (rund 198 Euro pro Kopf) beträgt – und Ebensee weiter eine Härteausgleichsgemeinde bleibt, die Stützgeld vom Land braucht.
Dazu passt das ebenfalls kürzlich auf Social Media von der Bürgermeisterin veröffentlichte, von einer KI generierte Bild einer begrünten Marktgasse. Das Bild schaut super aus. Dass bei dieser vermeintlich echt aussehenden Animation die Straße verbreitert und Häuser „versetzt“ werden müssten, war kein Thema und bleibt ohne kritischen Blick unbemerkt.

Man könnte viele Seiten mit diesem KI-Unfug der Bürgermeisterin füllen. Aber urteilen Sie selbst, wie realistisch diese magische Verwandlung der Marktgasse ist.
Ein Posting soll Aufmerksamkeit und Likes erzeugen. Diese Logik belohnt Erfolgsmeldungen und einfache Botschaften. Sie bestraft Komplexität, Erklärungen, Hintergrundzusammenhänge und unbequeme Wahrheiten.
Wer jedoch seine Kommunikation ganz dieser Logik unterwirft, redet nicht mehr mit und auch nicht mehr zu den Bürgerinnen und Bürgern, sondern zum Algorithmus.
Der Autor dieser Zeilen sieht darin eine gefährliche Entwicklung. Auch wenn solche Postings kurzfristig politischen Erfolg versprechen mögen, sind sie langfristig wenig zielführend: Permanente Aufgeregtheit, überzogene Erwartungshaltungen und Scheinlösungen ohne jegliche Nachhaltigkeit bringen uns und unsere Gesellschaft nicht weiter.
Auch wenn echte Information und Diskussionen über schwierige Themen Zeit brauchen und oft auch anstrengend sind, bleiben sie für eine funktionierende Demokratie unersetzlich. Demokratie lebt nämlich von informierten Bürgerinnen und Bürgern – nicht von Likes.
Woran erkenne ich einen Jubel-Post?
- 5 Anzeichen für Schönfärberei in der Gemeindepolitik
- Nur gute Nachrichten
Erfolge werden gefeiert – Rückschläge kommen im Posting nicht vor. - Große Zahl, kein Kontext
„1,2 Mio. gespart!“ – aber wovon, und woher kommen die Schulden? - Bilder statt Fakten
Beeindruckende KI-Traumbilder, die mit der Realität wenig zu tun haben. - „Steht eh im PDF“
Wichtiges versteckt auf Seite 47 – statt klar und verständlich erklärt. - Grüne Häkchen, wenig Erklärung
Kommuniziert wird für den Algorithmus – nicht für dich.
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Matthäus Schmied
Vereinsobmann Bürgerliste für Ebensee
Gemeinderat
Obmann Prüfungsausschuss
Mitglied Verkehrsausschuss
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