Ein Ende der auch durch den ausufernden Tagestourismus immer unerträglicheren Verkehrsbelastung scheint nur durch eine Attraktivierung der Bahn und der Einführung eines Mikro-ÖV-Systems möglich.
Seit vielen Jahren kämpft das Salzkammergut mit dem immer stärker werdenden Verkehrsaufkommen auf der Hauptverkehrsader B 145. Auch in und rund um unsere Natur-Juwelen, die von früheren Geheimtipps zu echten Touristen-Hotspots mutiert sind, ist die Verkehrssituation oft untragbar. Gerade wir in Ebensee können ein Lied davon singen, wenn man zu Stoßzeiten Richtung Langbathsee oder im Bereich Rindbach weder vor noch zurückkommt, die Anrainer und Anrainerinnen ihre Aus- und Zufahrten verparkt vorfinden und die täglich zu benutzenden Ortsstraßen zu schmalen einspurigen Pfaden verkommen.
Mit verschiedenen Mitteln versuchen die Gemeinden dem ausufernden Tagestourismus zu begegnen. Als bis zu einem gewissen Grad wirksame Methode hat sich die Einführung von Parkgebühren etabliert. Auch wenn deren Wirkung für eine echte Entlastung der Straßen und Parkräume begrenzt ist, sorgen sie zumindest dafür, dass etwas Geld an die betroffenen Gemeinden abgegeben wird und die betroffene Bevölkerung zumindest mittelbar davon profitiert – sofern die Einnahmen sinnvoll eingesetzt werden.
Wirkliche Entlastung kann jedoch nur eine Verlagerung der Verkehrsströme und/oder eine Reduktion des Individualverkehrs bewirken. Dies könnte dadurch gelingen, dass die Preise fürs Parken weiter erhöht werden und damit die Benutzung des Autos weniger attraktiv wird, oder aber durch Schaffen von attraktiveren Alternativen – was aus unserer Sicht der bessere Weg wäre! Die Einführung eines Halb-Stunden-Taktes an der Salzkammergut-Bahnstrecke im Verbund mit einem Mikro-ÖV-System könnte eine solche Alternative sein.
Der Halb-Stunden-Takt: Mit Dankbarkeit können wir auf den Pioniergeist des 19. Jahrhunderts zurückblicken, als unsere Vorfahren die Grundlagen für die Salzkammergutbahn geschaffen haben. Sie war ein echter Meilenstein und entscheidend für die erfolgreiche Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Salzkammergut, insbesondere für den Tourismus in unserer Region. Heute dient die Bahn außerdem als wesentliches Verkehrsmittel für viele Pendelnde, deren Arbeitsstätten in Traunkirchen, Gmunden, Attnang, Linz oder Wien liegen. Die Attraktivität der Bahn im Vergleich zum Auto steigt ungemein, je dichter die Taktung der Züge ist. Die reine Fahrzeit ist mit dem Auto ohnehin vergleichbar. Langes Warten auf Anschlusszüge in Attnang oder die Notwendigkeit, die Benutzung des Verkehrsmittels zeitlich genau zu timen – weil man sonst eine Stunde warten muss –, wirken dem jedoch diametral entgegen und sind für viele ein echtes Hindernis. Je unkomplizierter und je weniger Planungsleistung für eine Zugfahrt notwendig ist, umso attraktiver ist sie. Das stellte auch die Einführung des Klimatickets unter Beweis. Das damit verbundene Unabhängigkeitsgefühl, jederzeit einen Zug benutzen zu können, gibt Freiheit und Komfort. Ähnliches ist bei den Saisonkarten und unserer Feuerkogelbahn (die Gott sei Dank in einer viel kürzeren Taktung als bloß stündlich fährt) zu beobachten. Ein Halb-Stunden-Takt würde daher massiv zur Attraktivierung der Bahn beitragen.
Im Kampf um einen Halb-Stunden-Takt auf der Salzkammergutbahn stehen wir in Ebensee auch nicht allein da. Alle Orte entlang der B 145 – von Gmunden bis Obertraun – sind hiervon betroffen und würden davon profitieren. Mit vereinten Kräften – über die Partei- und Ortsgrenzen hinaus – ließe sich hier sicher etwas bewegen. Wir setzen uns dafür jedenfalls ein!
Einführung eines Mikro-ÖV-Systems: Neben der Attraktivierung der Bahnverbindung nach Ebensee ist die Einführung eines funktionierenden Mikro-ÖV-Systems ein wichtiger Schritt: Damit gemeint sind Sammeltaxis, die vorher festgelegte Punkte bei Bedarf (einfacher Anruf) ansteuern. Leider haben unsere Bemühungen und Vorschläge dahingehend bislang keine Mehrheit gefunden. Insbesondere aufgrund der knappen Budgetlage wurden sie bisher abgelehnt. Auch wenn die jährlichen Kosten von rund € 22.000 dafür durch anderweitige Einsparungen unseres Erachtens sicher kompensiert werden könnten. Es ist schlicht eine Prioritätenfrage, wofür die Gemeinde das Geld der Bürgerinnen und Bürger ausgibt. Dieses Problem wäre durch Rückgriff auf die Parkeinnahmen wohl einfach zu lösen und damit vielleicht sogar ein noch attraktiveres System, als das von uns vorgeschlagene, möglich. Die Parkraumbewirtschaftungs-GmbH wurde mit dem Argument gegründet, dass die Einnahmen der GmbH direkt für die Verbesserung der Verkehrssituation genutzt werden können und nicht im allgemeinen Haushalt aufgehen. Die Finanzierung des Mikro-ÖVs stünde damit jedenfalls voll im Einklang.
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Matthäus Schmied
Vereinsobmann Bürgerliste für Ebensee
Gemeinderat
Obmann Prüfungsausschuss
Mitglied Verkehrsausschuss


