Ansicht eines gemeindeeigenen und zum Verkauf stehenden Mehrparteienhauses in Ebensee..

Die Förderung von gemeinschaftlichen Wohnprojekten wäre eine gute Möglichkeit, um der sinkenden Geburtenzahl und der bestehenden Landflucht entgegen zu wirken.

Ende März 2025 fand auf Initiative der BÜFE die Veranstaltung Zukunft Wohnen statt, bei der alternative Wohnformen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet wurden. Denn Baugrund wird knapper und Hausbauen immer teurer. Es braucht daher dringend Alternativen zum freistehenden Einfamilienhaus. Zudem wird für mehrere gemeindeeigene Wohngebäude nach Lösungen für eine zukünftige Nutzung gesucht. Seit Jahren stehen in vielen dieser Gebäude zahlreiche Wohnungen leer, wodurch der Gemeinde natürlich Einnahmen durch Miete entgehen und auch Wohnraum nicht für Wohnungssuchende zur Verfügung steht.

Ansicht eines gemeindeeigenen und zukünftig zum Verkauf stehenden Mehrparteienhauses in Ebensee.

Gemeinschaftliche Wohnprojekte zeichnet aus, dass sich Menschen zusammentun, die davon überzeugt sind, dass das Zusammenleben mit Anderen bereichernd ist. Arbeit – z.B. im Garten oder rund ums Haus – wird aufgeteilt, bei der Betreuung von Kindern hilft man sich gegenseitig, Fahrzeuge (Autos oder auch Lastenräder) können geteilt werden, wodurch weniger Platz in Anspruch genommen wird, als wenn alle alles selbst besitzen. Neben abgeschlossenen, individuell genutzten Flächen und Räumen gibt es auch solche, die gemeinsam genutzt werden. Nicht nur für Kinder, die wie früher quasi in einem Familienverband aufwachsen, kann dies eine große Bereicherung sein.

Dass ein gemeinschaftliches Zusammenleben nicht immer einfach ist, haben jahrhundertelange Erfahrungen mit generationenübergreifendem Wohnen gezeigt. Nicht von irgendwo hat sich seit den 1970er-Jahren das freistehende Einfamilienhaus in Österreich zur beliebtesten Wohnform entwickelt.

Gemeinschaftliche Wohnprojekte brauchen gute Organisations- und Kommunikationsstrukturen. Viele Projekte, die seit Jahren funktionieren, dienen mittlerweile als Vorbilder. Da alle Verwaltungs- und sonstigen Aufgaben von den dort Wohnenden selbst erledigt werden, sind auch hier diese Strukturen wichtig, gleichzeitig werden viele Kosten, die z.B. in Mietwohnungen (sprich: Hausverwaltung) anfallen, eingespart.

Während in Städten mittlerweile Wohnprojekte in unterschiedlichen Formen existieren, ist die Idee in ländlichen Gemeinden noch weniger verbreitet. Menschen, die solche Wohnmodelle umsetzen, haben in der Regel nicht nur die eigene (Wohn-) Gemeinschaft im Sinn, sondern auch den Anspruch, in ihrer Wohnumgebung einen Beitrag zu leisten, um diese lebenswert zu gestalten. Sei es durch landwirtschaftliche Projekte oder durch Räume, die auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Involviert in die Veranstaltung Zukunft Wohnen war auch eine Gruppe von drei jungen Familien, die im Salzkammergut wohnen und großes Interesse haben, in Ebensee ein Wohnprojekt zu gründen. Ebenso haben zwei aus Ebensee stammende junge Menschen, die mit anderen Familien gemeinsam ein ehemaliges Kastell in Niederösterreich zur Verwirklichung ihres gemeinschaft­lichen Wohnprojekts gekauft haben, von ihren Erfahrungen berichtet.

Angesichts der aktuellen Geburtenzahlen in unserer Gemeinde, dadurch sinkenden Zahlen von Schulkindern mit allen verbundenen Nachteilen (z.B. weniger Volksschulklassen) und der ständigen Abwanderung junger Menschen (Landflucht) muss unserer Meinung nach eine Gemeinde alle Hebel in Bewegung setzen, um ein solches Wohnprojekt zu ermöglichen. Gut ausgebildete junge Menschen, die bereit sind, Geld in den Erwerb und die Sanierung einer Liegenschaft zu stecken, in Ebensee sesshaft zu werden und noch dazu einen Beitrag leisten möchten, dass in Ebensee neue Impulse entstehen – was können wir uns als Gemeinde mehr wünschen?

Christa Tatár

Christa Tatár

Gemeindevorständin
Obfrau Umweltausschuss
Obmannstellvertreterin Bauausschuss