Panorama des Traunecks mit Blick auf den Traunstein

Das Trauneck ist mehr als nur ein geographischer Punkt am Seeufer. Hier kommen Gäste an, begegnen sich Einheimische und für manche ist es einfach ein Stück Alltag. Zugleich entscheidet sich gerade an diesem Ort, wie ernst es eine Gemeinde mit öffentlichem Raum, Naturschutz und geordneter Entwicklung meint. Wie soll sich das Trauneck entwickeln und wer definiert die nötigen Spielregeln?

Grundproblem: Einzelprojekte statt Gesamtstrategie

Ein wiederkehrendes Muster ist das Nebeneinander einzelner Projekte – oft gut gemeint, aber selten abgestimmt. So entsteht ein Flickenteppich statt eines Gesamtkonzepts. Beispiel Pumptrack: ursprünglich von Jugendlichen eingebracht, von einer Fraktion aufgegriffen, intern weiterentwickelt und als nahezu fertiges Konzept präsentiert, ohne die Betroffenen und politische Gremien frühzeitig einzubinden. Was als Beteiligung und gemeinsame Projekterarbeitung mit Blick auf Raum, Natur und Kostenentwicklung hätte beginnen können, wurde zum klassischen Alleingang. Dabei beginnt die Diskussion nicht bei Null. Vieles wurde längst erarbeitet und schlummert in einer Schublade. Statt immer neu anzufangen, sollte vorhandenes Wissen genutzt und weitergedacht werden.

Mehr Leben – aber bitte mit Ordnung

Ein Beispiel für dynamische Entwicklung ist die Paddle-Tennis-Anlage auf privatem Grund. Solche Initiativen zeigen einerseits Innovationskraft, bringen jedoch auch Herausforderungen mit sich – insbesondere durch erhöhtes Verkehrsaufkommen und viele parkende Autos direkt vor der Anlage. Hier stellt sich die Frage, wie private Nutzung und öffentliche Interessen besser in Einklang gebracht werden können.

Mit der neuen Beachbar und einem Foodtruck gibt es bereits gastronomische Angebote, die in einem Pachtverhältnis mit der Gemeinde stehen und den Vorgaben des Landes unterliegen. Saisonale Aspekte – wie das verpflichtende Wegräumen im Winter – zeigen, dass Nutzung und Naturverträglichkeit stets zusammengedacht werden müssen.

Dass das Trauneck lebendiger und jünger wird, ist eine gute Entwicklung. Angebote wie Slackline, Boccia oder Schachflächen könnten den Ort weiter beleben. Statt klassischer Durchreise dominieren zunehmend Aufenthalt und aktive Nutzung. Aber nicht jedes gute Einzelprojekt ergibt automatisch eine sinnvolle Gesamtentwicklung.

Infrastruktur im Wandel

Mit steigender Frequenz wird auch die Infrastrukturfrage drängender. Eine zentrale Rolle, insbesonders als Schnittstelle für Fortbewegung ohne Auto, spielt dabei die Schiffsanlegestelle. Ergänzend dazu braucht es funktionale Lösungen in Form von sicheren Radabstellplätzen, einen klar erkennbaren Infopoint und eine bessere Orientierung für alle Gäste.

Auch bestehende Flächen werfen Fragen auf. Die Betonfläche beim Segelklub etwa bietet Potenzial für eine neue Nutzung. Gleichzeitig muss sorgfältig geprüft werden, welche Eingriffe sinnvoll und vertretbar sind.

Aber ehrlicherweise gehört auch die Realität dazu. Das Trauneck bleibt Entlastungsparkplatz. Im Winter für den Feuerkogel, bei Brauchtumsveranstaltungen und im Sommer an vollen Tagen.

Naturinseln schützen trotz wachsender Nutzung

Ein besonders sensibler Punkt ist der Erhalt der sogenannten Naturinseln, etwa im Bereich nach der Gasanlage oder auf der Trauninsel. Diese Rückzugsräume für Mensch und Tier dürfen nicht schleichend verloren gehen. Hier braucht es bewusst gesetzte Grenzen, um zu verhindern, dass zunehmender Besucherdruck die ökologischen Grundlagen zerstört.

Hochwasserprojekt als zentrale Leitlinie

Über allen Überlegungen steht jedoch das Hochwasserprojekt Traun als übergeordnetes Thema. Es hat oberste Priorität und definiert maßgeblich die zukünftige Nutzung des Traunecks. Sollte es wie geplant umgesetzt werden, könnte es nicht nur Schutz bieten, sondern auch neue, qualitativ hochwertige Möglichkeiten schaffen. Denkbar wäre etwa eine Aufwertung des Damms als Aufenthalts- und Bewegungsraum. Oder auch attraktive Verbindungselemente wie Flanierwege, etwa über den Damm zum Trüföbankerl und damit das Erschließen verschiedener Ortsteile.

Allerdings führt dies auch zu Einschränkungen: Freiflächen werden knapper, und jede zusätzliche Versiegelung, wie durch einen Pumptrack, muss durch Entsiegelung an anderer Stelle ausgeglichen werden. Der Handlungsspielraum wird damit klar begrenzt.

Balance als politische Aufgabe

Das Trauneck steht exemplarisch für öffentliche Räume. Es soll offen, lebendig und attraktiv sein – und gleichzeitig geschützt, nachhaltig und strukturiert entwickelt werden. Die Herausforderung liegt in der Balance. Eine zukunftsfähige Entwicklung braucht daher ein klares Gesamtkonzept mit Vorrang für Hochwasserschutz und Naturerhalt, gezielte Infrastruktur und eine transparente Abstimmung zwischen Gemeinde, privaten Akteur:innen und Bevölkerung.

Nur so kann das Trauneck langfristig das bleiben, was es heute schon ist: ein Ort für alle und mit Verantwortung für morgen.

 

Marianne Piontek

Marianne Piontek

Ersatzgemeinderätin
Ersatzmitglied Kulturausschuss
Ersatzmitglied Sportausschuss