Umzingelt von Anrufsammeltaxis in den meisten Orten des Salzkammerguts bleibt Ebensee nach wie vor sozusagen ein unbeugsames Dorf, das sich zwar nicht gegen die Römer, aber gegen das Angebot des Salzkammergut Shuttle wehrt.
Im politischen Alltag wird immer wieder deutlich, wie sehr die jahrzehntelang auf Autos zugeschnittene Planung unseren Ort geprägt hat. Die Zersiedelung hat die Abhängigkeit vom Auto verstärkt, durch die zunehmende Mobilität wiederum kam der Nahversorgung die Kundschaft abhanden, die Bedeutung von Parkflächen und damit die Versiegelung und Verödung von Straßenzügen nahm zu.
Die Bedürfnisse abseits des Autoverkehrs rückten immer mehr in den Hintergrund und angesichts der hohen Autodichte am Land wird der öffentliche Verkehr einerseits zu wenig genutzt und kann andererseits die sehr individuellen Ansprüche schwer befriedigen.
Wir sind davon überzeugt, dass das Angebot des öffentlichen Verkehrs verbessert werden muss, um einerseits auch für jene Menschen, die kein eigenes Auto haben, Mobilität zu ermöglichen und andererseits die Abhängigkeit vom Auto zu verringern. Mit dem Salzkammergut Shuttle, das auf festgelegten Routen und zu bestimmten Zeiten fährt, aber nur dann, wenn es vorher angefordert wurde, gäbe es ein Angebot, das die Lebensqualität vor allem von älteren Menschen oder Jugendlichen, denen kein Auto zur Verfügung steht, deutlich verbessern würde. Im Jahr der Kulturhauptstadt wurde dieses Angebot der Ferienregion Traunsee-Almtal auf fast das gesamte Salzkammergut ausgeweitet und ein Konzeptentwurf für eine Verdichtung der bisherigen, nur touristisch gedachten Haltepunkte im Ebenseer Gemeindegebiet liegt seit einiger Zeit vor.
Alle Fraktionen sind sich eigentlich einig, dass Anrufsammeltaxis ein großer Zugewinn für Ebensee wären. Die positiven Erfahrungen mit dem BIS-Mobil sind vor allem den älteren Menschen noch gut in Erinnerung und in Gesprächen mit der Bevölkerung wird immer wieder bedauert, dass es dieses nicht mehr gibt. Aber trotz dieser Einigkeit, kommen wir zu keiner Entscheidung, um die erforderlichen Mittel von rund 22.000 Euro pro Jahr aufzubringen.
Leider sieht das Land OÖ die Bereitstellung von Anrufsammeltaxis sozusagen als nicht notwendiges Privatvergnügen der Gemeinden und die Ausgaben sind Teil der streng limitierten und hart umkämpften freiwilligen Leistungen. Im Gegensatz zu den Ausgaben für den OÖ. Verkehrsverbund, die als Teil der normalen Pflichtausgaben gelten.
Im Rahmen der freiwilligen Leistungen hätte Ebensee durchaus genügend Spielraum, um das Salzkammergut Shuttle zu finanzieren, aber es könnten dann andere Ausgaben eventuell nicht getätigt werden. Eine sachliche, transparente und schlüssige Diskussion, welche Ausgaben im Jahr 2024 und darüber hinaus über die freiwilligen Leistungen finanziert werden sollen, wurde uns bis dato leider verwehrt. Und so bleibt Ebensee ein unbeugsames Dorf im Salzkammergut.
Öffentliches Geld, das in Anrufsammeltaxis investiert wird, kommt dem Ort zugute: jenem Teil der Bevölkerung, der dadurch selbstständig mobil sein kann; lokalen Taxiunternehmen, die ein zusätzliches Standbein bekommen; Betrieben, Dienstleistern und Geschäften im Ort, die damit für alle erreichbar werden. Menschen, die aus bestimmten Gründen (z.B. finanzielle Gründe oder wegen körperlicher Beeinträchtigungen) nicht mobil sind, eröffnet ein Anrufsammeltaxi, das die bestehenden Angebote des öffentlichen Verkehrs ergänzt, Zugang zu Mobilität.
Neben den Einheimischen profitieren auch Gäste, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen und trotzdem unterschiedliche Ziele im ganzen Ortsgebiet erreichen können. Jedes Auto weniger, das nach Ebensee kommt, ist eine Entlastung des Verkehrs und auch ein Parkplatz weniger, der bereitgestellt werden muss!
Eigentlich sind sich alle einig über den Zugewinn für den Ort und seine Bevölkerung durch ein derartiges Angebot. Irgendwie sind wir jedoch in einer Verzögerungsschleife gefangen und bleiben ein unbeugsames Dorf im Salzkammergut.


